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Schosshündchen ja! Dobermann nein!

24. November 2018

Hunde gehören nicht ins Büro

 

Vorweg: ich bin Tiernärrin und seit meiner Geburt hatte ich immer Tiere.

Hunde und Katzen liegen mir besonders.

Ich kann mir mein Leben nicht ohne diese „Familienmitglieder“ vorstellen.

Sie bereichern mich.

Der Schock kam mit 30! Ich hatte plötzlich Asthma.

Mein Arzt stellte mir ein Ultimatum:

„Entweder Tiere weg – oder ich behandele sie nicht mehr!“

Was tat ich?

Ich wechselte den Arzt und suchte einen mühsamen Weg, der für mich irgendwie funktionierte.

Irgendwie heisst, mit Asthmasprays und viel Distanz. Aber es funktionierte.

Ärzte, die das jetzt lesen, fassen sich an den Kopf. Ich weiss.

Hunde gehören nicht ins Büro

Ich nenne mich Herzblutpersonalerin.

Als solche habe ich überwiegend in KMUs gearbeitet.

Hier spreche ich von Firmen, die zwischen 50 bis 280 Mitarbeitende hatten.

Als Trainerin, Coach arbeitete ich sodann auch in Grosskonzernen. Mein Herz gehört der KMU. Dem KMU-HRM:

Hier habe ich eine klare Meinung.

Und die lautet: „keine Tiere im Büro!“

Warum?

stux / Pixabay

 

 

 

 

 

 

 

KMU1 – 50 Mitarbeitende

Hunde gehören ins Büro.

Meine Erfahrung als junge Berufsanfängerin:

Mein damaliger Chef, ein gestandener Bayer, brachte ständig seinen Hund mit zur Arbeit.

Darf er – er ist Chef. Der Hund verliebt sich in mich. Darf er, er ist ja Hund.

Der Hund legt sich ständig unter meinem Schreibtisch.

Jedes Mal, wenn ich aufstand, musste ich aufpassen, damit ich ihm nicht in Versehen auf die Pfoten trat.

Der Hund roch erbärmlich. Er wurde selten gekämmt noch gebadet.

Der Chef hat dafür keine Zeit.

Er ist Chef, der darf das.

Der Hund sabbelte ständig.

Wenn er ganz glücklich war, legte er seine nasse Hundeschnauze auf mein Bein und sabbelte es voll.

Es war ein süsser Hund….aber das mochte ich nicht.

Der Hund hatte Verdauungsprobleme.

Er lies ständig Winde ab.

Unter meinem Schreibtisch.

Direkte Geruchsstrasse zu meiner Nase.

Wenn ich laut fluchte, meinte mein Chef „Susi, höre auf mit dem Gepupse…

Frau Roth ist da ein wenig zickig, die stört das!“

oder er sagte

„Was man an Anstand verliert, gewinnt man an Gesundheit! Hunde wissen das“

und dabei zwinkert er mir verschmitzt zu.

Als Berufsanfängerin, schüchtern und gut erzogen lächelte ich zurück.

Er ist Chef, er darf das, dachte ch mir und suche einen neuen Job.

Der Chef verlor eine motivierte, junge Mitarbeiterin.

Brummeier / Pixabay

 

 

 

 

 

 

 

 

 

KMU2 – 100 Mitarbeitende

Hunde gehören nicht immer ins Büro.

Eine Kundin (HRM-Coaching)  arbeitet dort als Personalerin.

Die KMU hat 5 Geschäftsstellen, die in den Randgebieten lagen.

Recht kleine Geschäftsstellen. Manchmal gab es nur 2 – 3 Mitarbeitende – aber regen Kundenverkehr.

Am Hauptsitz hatte es rund 80 Mitarbeitende.

Eines Tages kam ein Vorgesetzter zu ihr und sagte: “Geschäftsstellenleiterin Marion Meier hat 3 Hunde im Büro.

Das Büro riecht, die knurren mich an und die Kunden sind auch nicht erfreut!

Ich habe ein Reklamationsbrief bekommen. Das will ich nicht! Mahne sie sofort ab!“

Vorgesetzte verlangen ja so vieles, wenn sie wütend sind.

Meine Kundin aber bittet Frau Meier zu einem Gespräch. Die Geschäftsstellenleiterin erklärt ihr, dass sie die Hunde seit 5 Jahren mit ins Büro bringt und der Chef noch nie was gesagt hätte. Jetzt wäre es Gewohnheitsrecht und sie hätte niemanden für die Hunde. Ausserdem weist sie darauf hin, dass im Personalreglement kein Punkt zu dem Thema stehe.

Es gibt Juristenfutter.

Anwälte schreiben sich hin und her.

Schlussfazit: die Mitarbeiterin muss einen Hundesitter finden und hat dafür 6 Monate Zeit, denn nach 3 Jahren von heute auf morgen etwas so massgebend zu verändern, ist nicht möglich.

Die Geschäftsstellenleiterin wird nach 5 Monaten schwanger, bezieht Mutterschaftsurlaub nach Geburt und kündigt dann.

Ja – manche Probleme erledigen sich einfach so….

Die Firma verlor jedoch eine fachlich top ausgebildete Mitarbeiterin.

 

 

 

skeeze / Pixabay

 

 

 

 

 

 

 

KMU3-220 Mitarbeitende

Eine HR-Stuudentin erzählte mir folgendes:

Unser CEO ist ganz locker drauf und er bewilligt immer alles recht schnell.

Seine Assistentin fragte ihn mit bettelnden Augenaufschlag, ob sie ihren kleinen, lieben Hund nur donnerstags, freitags mitnehmen könne. Sonst müsse sie kündigen. Es wäre ihr sehr, sehr wichtig.

Der CEO bewilligte natürlich.

2 Monate später kam der Logistikerchef zur Personalerin und sagt. „Ich möchte meinen Dobermann mit zur Arbeit nehmen. Die Assistentin vom Chef darf es ja auch!“

Der CEO bewilligte dies etwas widerwillig, aber da die Logistik im Keller untergebracht war, konnte er es schnell verdrängen.

4 Monate später erhielt der CEO eine schriftliche Anfrage vom besten Sales-Manager (der cash-cow) der Firma. Er war für Spitzenumsätze bekannt. In dieser herzerweichenden Anfrage, erklärte er, dass er für die Dauer des REHA-Aufenthaltes seiner Frau, die kranke, alte Katze mit in sein Einzelbüro nehmen muss. Sie brauche im Moment den Kontakt zu ihm. Wenn dies nicht möglich wäre, würde er sofort unbezahlten Urlaub beantragen.

Es gibt heftige Diskussionen.

Da es nur um eine befristete Zeit ging, bewilligt der CEO den Antrag zähneknirschend.

Die kranke Katze starb nach 6 Wochen im Büro, während der Sales Manager in einem externen Verkaufsgespräch war. Die ganze Verkaufsabteilung war für 2 Tage in tiefer Trauer - es war dramatisch. Nichts ging mehr.

Hunde und Katzen dürfen nicht ins Büro!

Die Personalerin schlägt ein Reglementseintrag mit Ausnahmebewilligungen vor.

Der CEO findet das nicht nötig.

Nach 8 Monaten kommt ein Logistiklernender zur Personalerin und zeigt seinen Ausschlag am Arm.

Er erklärt ihr, dass er auf den Hund des Logistikerchefs mit Ausschlag und Atemnot reagiert.

Er wäre nun seit Monaten beim Arzt in Behandlung. Er zeigte ein Arztattest.

Hier heisst es: "entweder Arbeitsplatzwechsel oder der Hund muss aus dem Arbeitsbereich „entfernt“ werden".

Da ein Arbeitsplatzwechsel nicht möglich ist, bittet man den Logistiker den Hund nicht mehr mitzubringen.

Einige Wochen später entdeckte man, dass der Logistiker den Hund den ganzen Tag in seinem Combi in der Tiefgarage mitbrachte. Wenn andere Mitarbeitende Rauch- oder Kaffeepause haben, ging er schnell Gassi. Auch das verbietet man ihm.

Er kündigte umgehend.

Das Unternehmen verlor einen guten Mitarbeitenden, obwohl er ihn halten wollte.

Was dann folgte, kannst Du Dir vielleicht vorstellen.

Katzenspielzeug / Pixabay

 

 

 

 

 

 

 

 

Fakt ist: Tiere im Büro können bereichernd sein.

Auch Tiere in der Schule.

In Pflege- und Altersheimen.

Selbst in Spitälern.

Ich weiss, das Thema Hunde ist so heikel wie das Thema kleine Kinder.

Tiere und Kinder sind meine sensiblen Themen.

Ich verstehe es, ich war höchstsensibel, wenn jemand etwas über meine kleinen plärrenden Kinder in einem Restaurant gesagt hat. Da bin ich so was von grantig geworden.

Ich bin auch super sensibel, wenn jemand meinen Hund als blöder, stinkender Mistköter bezeichnet und sich im Restaurant nicht an meinen Tisch setzen will. Und trotzdem: ich akzeptiere diese Haltung und teilweise kann ich sie auch nachvollziehen.

Ich respektiere die Haltung meiner besten Freundin, die Hunde ganz und gar nicht mag.

Sie bedauert mich standardmässig, dass ich jetzt erstmal nach der Betreuung meines Hundes schauen muss, als spontan mit ihr nach London zu fliegen.

Und ich mag darüber nicht diskutieren.

Ich habe mich für damals für Kinder entschieden und Kinder sind manchmal verdammt lärmend und nervend.

Ich habe mich für Tiere entschieden, und Tiere bedeuten auch Verantwortung und gebunden sein.

Das ist meine Entscheidung. Ich suche nach meinen Lösungen.

Trotzdem: Hunde gehören nicht ins Büro!

 

mohamed_hassan / Pixabay

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Personalerin mag ich keine Ausnahmen. Denn Ausnahmen führen zu Problemen. Denn: was Mitarbeiter A darf, sollte Mitarbeiter B auch dürfen.

Aus der Genehmigung für einzelne Mitarbeitende können Ansprüche weiterer Mitarbeitende erwachsen. Das habe ich mehrfach erlebt.

Auch, wenn es eine nachgewiesene positive Wirkung auf die Produktivität und Gesundheit aller Mitarbeitende gibt, bedeutet eine Bewilligung auch das Beachten der persönlichen Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Gesundheitsmanagement kann hier so oder so Wirkung zeigen.

Ich mag keine Reglemente, in denen es heisst:

„in Ausnahmefällen kann das Mitbringen eines Hundes vom CEO bewilligt werden.

Dafür muss eine Befürwortung des Vorgesetzten vorliegen.

Grundsatz: Hunde, die grösser als 100 cm und auch Kampfhunde sind verboten.

Weitere Tierarten sind grundsätzlich verboten. Hier werden keine Ausnahmebewilligungen erteilt!“

Wenn Du selbständig bist, ein Einzelbüro hast oder als Chef agieren kannst, wie Du es magst: wunderbar!

Wenn Du Deinen Hund zur Arbeit mitnehmen kannst, und alle finden es aufrichtig klasse: ich freue mich für Dich!!!

Aber für mich gehören Hunde nicht ins Büro.

 

Das sind jetzt nur drei Beispiele von vielen die ich gehört/erlebt habe, die ich hier schildere.

 

magische HR-Instrumente

472301 / Pixabay

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber was bedeutet das für Dich als Personalerin einer KMU?

  1. Währet den Anfängen!Soll heissen: stelle klare Regeln auf, bevor die ersten Anfragen und Missstimmungen kommenDie Bring das Thema bevor das „Kind in den Brunnen fällt“ auf.
  2. Ist es schon passiert? Aber es hat noch keine Ausmasse angenommen? Umso besser. Hier ist es wichtig Regelung „nachzuschieben“. D.h. Ein Schreiben an den Mitarbeiter: "Ja, gerne. Du kannst Deinen Hund „Bello“ bis auf Weiteres mit zur Arbeit nehmen. Es hat sich gezeigt, dass er unserem Arbeitsklima guttut. Wir behalten uns jedoch vor, diese Zustimmung regelmässig zu überprüfen und notfalls anzupassen."
  3. Sind bereits Unstimmigkeiten spürbar? Mitarbeiter A wird durch den Hund einer Mitarbeiterin eher abgelenkt? Kunden haben sich beschwert? Du kommst nicht mehr ins Büro von Frau Müller, weil der Hund Dich anknurrt und Du Angst hast? Ein Arbeitgeber kann jederzeit neue Richtlinien aufstellen. Aber Gerichtsurteile entscheiden hier so und so. Wo kein Kläger - da kein Richter. Also erstmal: im Guten versuchen. Einzellösungen suchen und dann eine gesunde Frist geben.

 

Du siehst: HRM ist vielmehr als eine Dienstleistung. Das ist eine Art Kunst, denn hier ist mit Fingerspitzengefühl vorzugehen.

Wir Personaler sind verpflichtet sorgsam neue Mitarbeitende zu gewinnen, zu entwickeln, zu fördern, zu erhalten und wenn es dann wirklich sein muss: fair gehen zu lassen.

 

Dafür steht dieser Blog und meine facebook-Gruppe für Personaler. Hier:

Herzliche Grüsse, Diana

 

P.S.  Kennst Du schon meinen Podcast. Hier vertone ich alle Blogs und Du kannst alles nachhören. Höre doch auch hier rein:

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