Von unfähigen Personaler und lustigen Bewerbern

Gestern las ich in einem sehr gut recherchierten Artikel die Aussage:

„Die meisten Personaler sind unfähig.“

Dieser Artikel bezog sich offensichtlich auf Personaler in Deutschland.

Da ich überwiegend in der Schweiz tätig bin und mittlerweile mehr als 1200 Personaler und Personalerinnen ausgebildet habe, hat mich dieser Titel ziemlich geschüttelt.

Ob diese Aussage aus unserem Nachbarland auch in der Schweiz zutreffend ist?

Die Begründungen war nachvollziehbar und viele Beispiele im internationalen Bewerbungsmanagement wurden angeführt.

Sicher vieles richtig. Sicher vieles wahr.

 

Sind Personaler wirklich unfähig?

Dieser Frage will ich nun in den nächsten Wochen nachgehen, da mein Sichtweise als aktive Personalerin zugegebenermaßen verblendet ist.

Ich bin klar der Meinung, dass das Verhalten von Personaler durchaus Unfähigkeit aufzeigt.

Aber die Person ist für mich nicht unfähig.

Und ich lehne sowieso alle Generalisierungen ab.

Aber ein solch reisserischer Titel erhält natürlich Aufmerksamkeit.

Und das ist gut so.

Waldo93 / Pixabay

 

Unfähige Personaler

Man möge mir verzeihen.

Ich bin begeistert von diesem Beruf.

Aber ich höre natürlich viele Unkenrufe und viele bad stories.

Und ich bemerke, dass Menschen eine hohe Erwartung an das Verhalten von Personalern haben.

Zu Recht….das habe ich auch.

Unfähige Personaler – unschöne Geschichten

So wie jede Führungskraft, wie jeder Geschäftsleiter, wie jeder Abteilungsleiter unschöne Geschichten schreibt, ist auch der HR-Mensch fehlbar.

Ich denke, dass jeder Personaler und jeder Geschäftsleiter…jeder Abteilungsleiter …jeder Bereichsleiter gleich viel Verletzungen, fehlerhaftes Vorgehen zeigen kann…wie jeder Mitarbeiter. Es menschelt hat…

Dies bitte nicht als Entschuldigung zu verstehen.

Wir Personaler werden in unserer Ausbildung auf Betriebspsychologie, Kommunikations-, Beratungstechniken,  Konfliktmanagement geschult….wir sollten es also besser wissen.

 

 

Aufruf an alle fähigen und unfähigen Personaler

Daher habe ich heute einen Aufruf gewagt.

Bis zum Mitte des Jahres kann man mir die schrägsten HR-Stories zusenden. Entweder aus Sicht der Personaler oder aus Sicht der Bewerber, der Führungskräfte, der GL….na machst Du mit?

Ich kann versichern, dass jede Schilderung anonymisiert wird.

Die besten Geschichten werde ich in meinem Blog, Podcast und livestreams zur Diskussion stellen.

Und ich möchte hier den Anfang machen…den Anfang mit einer humorvollen Variante.

Dialog Personalerin – Bewerber

Vor vielen Jahren suchte ich für einen damaligen Arbeitgeber einen Hausmeister.

Es kamen viele, viele Bewerbungen. Als ich in einer Projektsitzung war, kam die Dame von Empfang und sagte aufgeregt: „Komm bitte mal schnell, da ist ein Herr Müller für Dich…er hat wohl einen Termin.“

Ich unterbrach die Projektsitzung, obwohl mir ein Termin völlig unklar war.

Vor der Türe stand Herr Müller und sagte:

“Ich habe zwar keinen Termin – aber ich bewerbe mich auf die Stelle!“.

Ein freundlicher, frischer Mann, der voller Selbstbewusstsein strotzte.

Da ich zu dieser Zeit fünf offene Stellen vakant hatte, fragte ich ihn:

“Auf welche Stelle, bitte?“

Ich gebe zu …ich vermutete insgeheim, dass es die Stelle des Hausmeisters war, war mir aber noch unsicher und wollte mir dies bestätigen lassen.

 

Er antwortete:“ Na – auf die die offene Stelle!“

 

Ich erwiderte: „Wir haben fünf Stellen vakant!“

 

Er grübelte und sagt: “Oh…ja …welche denn…“

 

Langsam empfand ich die Situation als erfrischend lustig und sagte:

„Ist es die Stelle als Abteilungsleiter Finanzen, die wir seit zwei Monaten ausgeschrieben haben?“

 

Er grübelte kurz und sagte: “Ist man in dieser Anstellung meist draussen tätig?“

Emotionen

RyanMcGuire / Pixabay

 

Der lustige Bewerber

Ich antworte: “Nein – so ganz und gar nicht!“

Darauf meinte er: “Nein – dann ist es diese Stelle nicht!“

 

Ich sagte: “Ja und dann haben wir noch die Stelle als Schulsozialarbeiter/Schulsozialarbeiterin!“

Er antworte: “Und arbeite man da draussen?“

 

Ich antworte:

„Ja das kann durchaus vorkommen, so viel ich die Stellenbeschreibung im Kopf habe. Aber haben Sie eine pädagogische Ausbildung?“

 

Er antworte: „Nein….es war etwas anderes…ich komme da noch drauf!“

Ich wollte ihn endlich erlösen, denn schliesslich wartete das Projektteam auf mich und sagte: “ Ja  – dann kommt noch die Stelle als Hausmeister infrage. Was denken Sie? Die Tätigkeit ist überwiegend draussen?“

 

Der Bewerber antwortete stolz:

“ Ja – genau…das ist die Stelle. Jetzt erinnere ich mich!“

 

Ich bedankte mich für seine Unterlagen. Ich versprach ihm nach Ende der Bewerbungsfrist eine persönliche Rückmeldung zu geben.

Originale und Kopien

Als ich mich verabschieden wollte sagte er. „Moment…sie haben alle meine Originale in der Hand…Machen Sie doch eine Kopie und die Originale nehme ich wieder mit!“

Ttjjjaaa…das ist genau so passiert und ich musste mich sehr konzentrieren, um nicht in ein schallendes Lachen einzufallen. Respekt, Anstand und Wertschätzung sollte man als Personaler – egal was passiert, an den Tag legen. Und auch ein Belehren ist in diesem Moment falsch am Platz.

Nach Prüfung der Unterlagen kam der Bewerber für diese Stelle nicht infrage.

Er hatte noch nie in einem handwerklichen Beruf gearbeitet, noch hatte er Erfahrung.

Die Unterlagen der anderen Bewerber erfüllten mehrere Schlüsselqualifikationen.

Die Bewerbung schickte ich ihm mit einem Standardschreiben zurück (ist das bereits ein unfähiger Personaler?) .

Ach – und dazu rief ich ihn noch an und sagte ihm sinngemäss und wertschätzendes folgendes:

Lieber Bewerber: bitte beachten Sie doch zukünftig folgendes:

Personaler wollen gerne klare Angaben auf welche Stelle man sich bewirbt.

Personaler wollen Kopien eingereicht bekommen.

Personaler wollen spüren, dass man weiss, was man will.

Was ich ihm nicht sagte…

Und ja…Personaler sind Menschen und lachen auch mal gerne.

Dieses Lachen hat mir dieser Bewerber an dem Tag geschenkt und diese kurze Geschichte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

HR ist mehr als eine Dienstleistung.

HR ist eine Art Kunst und hat die wichtigste Aufgabe in einem Unternehmen.

Wichtiger als die Abteilung Verkauf oder Finanzen…viel wichtiger.

Denn letztlich kaufen Menschen bei Menschen.

Und diese Menschen gewinnt die Abteilung Personal.

Sie führt sie mit ein, sie hilft diese zu entwickeln, sie betreut sie und schaut, dass sie einen respektvollen Austritt erhalten.

Sie schauen, dass der hr-life-cycle beherzt und professionell eingehalten wird.

 

Deine Geschichte

Schicke mir Deine Geschichte zum Personalmanagement. Sei es als Personaler, als Führungskraft, als Mitarbeiter oder Bewerber….

Hier senden:

Halt Dich senkrecht und bleib Dir treu,

herzlich Diana

 

P.S.

Twitter-Zitat von Dardo-Consulting vom 12.1.2018:

Some people think they are nice by not giving me critical feedback.

But actually, they are not giving me the chance to get better.

Liebe Lesende:

nur durch Euer Feedback ist es uns Personaler möglich Änderungen vorzunehmen.

Danke: daher für konstruktive, wertschätzende Anmerkungen, die uns alle weiterbringen.

 


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