Warum hat jeder Chef seinen Hofhund?

13. März 2019

Diese Frage hat mir letzte Woche eine HR-Studentin gestellt.

Und ich musste rückfragen, was sie meinte.

Offensichtlich sprach sie nicht von der entzückenden Miss Moneypenny sondern eher von dem Vorzimmerdrachen eines jeden Geschäftsleiters.

Heute sind es nicht mehr die klassischen Sekretärinnen, die diese Rolle zugewiesen bekommen oder sich gar freiwillig nehmen.

Oh nein....

Josch13 / Pixabay

 

 

Diese Position ist mehr und mehr ausgestorben.

Es sind die Assistentinnen, die Führungsunterstützerinnen,  aber auch nicht selten - die Stellvertreterin eines Geschäftsleitungsmitglieds.

Ja - ich spreche in der weiblichen Form.

Immer noch, sind es oft Frauen - aber nicht immer - die diese Position bekleiden.

Immer mehr schlüpfen auch junge, ehrgeizige Männer in diese Funktion.

Zu erkennen sind die männlichen Exemplare sehr oft an ihrer Art sich overdressed zu präsentieren.

Besonders IN sind zur Zeit wohl die Anzüge, die eine Nummer zu klein sind und Schuhe, die nicht nur glänzen sondern auch sehr spitz vorne zusammen laufen.

Die Haare sind fein mit Gel zurückgehalten.

Ein Duftwasser umweht sie fein und auch der Siegelring fehlt nicht.

Dies ist mir zumindest in gewissen Branchen (z.B. Versicherungen/Banken) aufgefallen.

Eine interessante Möglichkeit die Karriereleiter hoch zu klimmen.

Frauen in dieser Position mutieren manchmal zu einem Hofhund oder Drachen.

AmberAvalona / Pixabay

 

 

Der bellt bekanntlich und kann auch schon mal kräftig zubeissen, wenn man zu nahe kommt. Je nach dem wie lang der Spielraum der Kette ist.

Kennst Du den Spruch: Hunde, die bellen beissen nicht?

So ist es auch bei dem Hofhund resp. dem Vorzimmerdrachen.

Aber - und jetzt kommt der grosse Pluspunkt für den Vorgesetzten, der sich eine solche Person "hält": der Drachen schreckt ab ...der Hofhund schützt.

Er scheucht das grobe Fussvolk erst mal von dannen. Der Drachen selektioniert. Der Drachen steuert und der Hofhund knurrt.

Ein Drachen im Vorzimmer kann die Geschäfte lenken in dem er/sie den Filter anlegt. Wow! Was für eine Macht.

Ich unterrichte auch Personalmanagement bei den Verkaufsleitern.

Und diese erzählten mir, dass sie sich Strategien haben, um  insbesondere den Vorzimmerdrachen zu besänftigen, zu umschmeicheln.

Sie erzählten, "wenn wir diesen knacken - dann kriegen wir den Chef. Dann kriegen wir den Auftrag! Und das muss man strategisch gut angehen."

 

Der Schlüssel zum Verkaufserfolg: die Vorzimmerdame/der Hofhund?

 

Nun zurück zu der Frage der HR-Studentin: Warum hat jeder Chef seinen Hofhund oder eine Art Vorzimmerdrachen?

Nun -  ich beobachte aus meiner Erfahrung, dass nicht jeder Chef so einen Hund hat.

Aber ich muss gestehen, wenn ich meine letzten 30 Arbeitsjahre reflektiere, fällt mir auf, dass es diese eigenartigen Tiere immer noch gibt.

Sie sind nicht mehr so offensichtlich...sie haben sich gewandelt...

Also - ich erkenne sie nicht mehr auf den ersten Blick.

Und das WARUM ist m.E. ganz einfach: wie bequem ist so ein Tier für einen Vorgesetzten!

Er - sprich der Geschäftsleiter - muss weder bellen noch beissen, dass macht ja der Hund.

Auch markieren muss er nicht. Das macht ja alles ein anderer.

Selbstverständlich schützt so ein Chef seinen Hund vor anderen Hunden.

Da wird gelobt, gestreichelt und die Leine offensichtlich locker gelassen...da liegt auch schon mal ein Fetzen Frischleisch über den Schreibtisch.

Stachelhalsband und Maulkorb

Aber wenn es den sein muss, kann er seinem Hofhund auch garstig in den Rücken fallen.

Dann legt er kurzzeitig das Stachelhalsband an...

Ein ungeschriebenes Gesetz: Hofhunde dürfen für Chefs nicht zu obermächtig werden.

Das muss geschickt kontrolliert werden.

Interessant ist die Beobachtung einer HR-Studentin, die erzählte, dass der Chef seinem Hofhund in unregelmässigen Abständen einen gewissen Gesichtsverlust zufügt. Dies jedoch immer in einem gewissen Hierarchieumfeld.

Zum dem Gesichtsverlust und Fremdschämen haben mich in einer der früheren Blog-Artikel geäussert und es schüttelt mich jedes Mal, wenn Vorgesetzte dies absichtlich und gezielt einsetzen, um ihre Macht zu demonstrieren.

Aber ich beschreibe hier nur Realitäten und werde sie nicht beurteilen. Nicht jetzt.

Das tut dieser Blog für sich alleine.

Das klingt alles so bitterböse...und dabei habe ich viele Miss Moneypennys in dieser Funktion erlebt.

Sanft, diplomatisch, ausgleichend, dienend, sich für den Vorgesetzten aufopfernd. Immer adrett und bemüht das beste zu geben.

Aufopfernd....ja...aufopfernd.

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Arbeitsjahre beim Auswärtigen Amt und nachher bei meinem Einsatz an einer Botschaft.

Da waren noch viele graue, unsichtbare, dienende Frauen in dieser Funktion unterwegs. Einem Legationsrat zudienend. Sich für den Botschafter und seinen Empfängen aufopfernd.

Bis in die Nacht arbeitend und dann so stolz, dass sie die Pralinen und Blumen, die dem Chef zu viel waren, geschenkt bekamen.

 

Gut - sind diese Zeiten vorbei.

 

Und nun meine 3 Tipps für Dich als Personalerin im Umgang mit dem Hofhund resp. dem Drachen der Geschäftsleitung:

1)

Werfe ihm einen Knochen zu.

Er muss nicht gross sein. Nur ja nicht auffallen.

Eher klein, aber dafür mit viel (offensichtlichen) Inhalt.

Damit der Hund beschäftigt ist...denn, wenn er den Knochen abnagt, kann er dich nicht angreifen.

b)

Wenn der Hund ohne Chef ist, gib ihm auch das Gefühl, dass er wichtig ist.

Dass er seine Daseinsberechtigung hat. Lobe seine Expertisen.

Aber bitte - nur ehrlich. Das mit dem Schleimen...das merkt der Hund.

Dafür hat er eine unglaubliche Spürnase.

c)

Nimm den Hund von der Leine bevor Du zum big boss gehst.

Bitte den Chef die Meinung des Hofhundes mit einzubeziehen.

Weisst Du, auch ein knurrender Hofhund kann zum lieben Schnuffi werden, wenn er echte Wertschätzung spürt.

 

Spring über Deinen Schatten!

 

In diesem Sinne: halt Dich senkrecht und auf bald, vielleicht in meiner HRM-Akademie?

, Diana

 

PS. Stell´Dir vor...als ich 21 Jahre alt war, hat man mir eine solche Stelle angeboten. Es war damals ein verlockendes Angebot. Aber meine allerliebste Kollegin hat das Rennen gemacht....und...dient heute noch als Miss Moneypenny - und dies - trotzdem sie sich einen Drachen auf eine geheime Stelle tätowieren liess.

 

 

 

 

 

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