HR-Impuls: wie du Mobbing ein Ende setzt (Podcast 020)

 Podcast 020

 

 

 

 

Bossing & Staffing  ist auch Mobbing

 

Kennst Du den Begriff Bossing?

Nein, das hat nichts mit der Marke Boss zu tun.

Das ist die Bezeichnung für Mobbing. Also Mobbing durch den Vorgesetzten.

Alexas_Fotos / Pixabay

 

 

 

 

 

 

 

 

Es gibt viele Definitionen zu dem oft missverstandenen Wort Mobbing am Arbeitsplatz. Hier meine – meine Persönliche – abgespeckte Variante, die bitte nicht abschliessend zu verstehen ist: Mobbing am Arbeitsplatz ist eine Art Psychoterror.

Mit dem Ziel, Betroffene aus dem Betrieb hinauszuekeln…zur Kündigung zu treiben. D.h. aber auch Mitarbeitende wiederholt und regelmässig (manche Fachbücher sprechen da von mindestens 3 Monaten) zu schikanieren.

Typische Mobbinghandlungen sind die Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen, die Zuweisung sinnloser Arbeitsaufgaben, ständige Kritik an der Arbeit, Ausgrenzung etc.

Das ist meine persönliche Erklärung in Kurzform und kann durch Spezialisten des Themas ergänzt werden.

Schau ins Internet und hole Dir weitere Erklärungen.

 

Mich tröstet es ganz und gar nicht, dass gemäss einer Studie bereits jeder zweite Arbeitnehmer bossing erlebt hat?

Wenn ich dieser Statistiken glauben darf, so werden mehr als die Hälfte aller Mobbing-Opfer durch den Chef (oder Chefin) gemobbt.

Unglaublich! Was für eine Zahl…jeder zweite Arbeitnehmer.

Du fragst Dich jetzt sicher, was steckt dahinter.

Meine Erfahrungen als Personalerin und auch als Coach zeigen: dass Chefs oftmals einen bestimmten Arbeitnehmer irgendwie loswerden wollen.

Und in ihrer Hilflosigkeit provozieren sie damit eine Kündigung beim Arbeitnehmer.

 

Wunderbar – damit muss der Chef sich nicht mehr die Hände dreckig machen. Er wird nicht mehr hinterfragt.

Es ist ein Entscheid des Mitarbeitenden, den er nur mit offiziellem Bedauern entgegennehmen kann.

 

Bei meiner Internetrecherche habe ich nicht schlecht gestaunt, denn es gibt tatsächlich

Psychologen, die behaupten, dass Chefs, die ihre Mitarbeitende mobben, diese Person «eigentlich» schätzen….die Betonung liegt hier auf eigentlich.

Aber was nun «uneigentlich»?

Wie geht das denn?

Nun..und hier krame ich einen eigenen Praxisfall hervor…es schildert eine Situation, indem ein besonders engagierter, guter, langjähriger Mitarbeiter seinen eigenen Chef konkurrenzierte.

Es gibt ja durchaus Mitarbeitende, die ihrem Vorgesetzten in vielen Dingen etwas vormachen können.

Mit bossing kompensiert der Vorgesetzte Unsicherheiten.

geralt / Pixabay

 

 

 

 

 

 

 

Mein Praxisfall: der damalige Marketingleiter hatte einen sehr fähigen und fleissigen Mitarbeiter.

Nennen wir ihn Max. Max war dazu noch unglaublich clever.

Er hatte nur einen Nachteil, er wurde vom Firmenchef oftmals gelobt oder als Beispiel in Sitzungen zitiert.

Der Vorgesetzte selbst konnte dieses Lob an seinen Mitarbeitenden, nicht vertragen und so wurde Max mehr und mehr uninteressante Projekte übergeben.

Max wurde nicht zu Geschäftsreisen in die USA mitgenommen. Als einziger der Marketingabteilung…versteht sich.

Denn einer musste ja die Stellung halten.

Max konnte nie Ferien dann beziehen, wann er es wünschte.

Max erhielt Informationen oftmals zu spät.

Erschien daher zu Sitzungen zu spät und es war schlussendlich eine Lawine, die mir erst auffiel, als es zu spät war.

 

Wie so oft sind wir Personalerinnen zu weit weg von dem Geschehen und sind darauf angewiesen, dies angezeigt zu bekommen.

Obwohl…ich hätte es merken sollen, denn die zunehmenden Krankheitsabsenzen hätte ich hinterfragen sollen. Aber damals war Gesundheitsmanagement, Absenzengespräche noch kein Thema.

 

 

Staffing

Und jetzt was ganz, ganz anderes.

Was denkt ihr: wie viel Chefs werden von ihren Mitarbeitenden gemobbt?

Lach jetzt nicht…ja …auch das gibt es.

Auch hier wird wieder eine Zahl in den Medien gehandelt. Es ist die magische DREI.

Drei Prozent aller Mobber sind Mitarbeitende, die unterstellt sind.

Dies wird auch staffing genannt.

Also den umgekehrten Fall gibt es tatsächlich auch. Aber: in einem deutlich kleineren Prozentsatz als Bossing.

 

Meine Frage an Dich: Können Mitarbeiter Chefs mobben?

Ist nicht das Machtgefälle immer dazwischen?

Ja – sie können.

Nur, und dass sagen die Fachleute, beginnt es erst als Kopfkino (mit Racheszenarien).

Es läuft verdeckt ab.

Da gibt es Aktionen wie: bei den Spesen mehr aufschreiben,

Arbeitszeiten falsch eintragen,

vermehrte private Telefonate und Kopien anfertigen,

WC-Papier/Stifte mit nach Hause nehmen etc. etc.

 

Sehr beliebt ist der ausgesprochene Satz: „Ab jetzt mache ich Dienst nach Vorschrift“.

Dann ist höchste Alarmstufe….dann wird es ausgesprochen und wenn wir das hören…wenn dies an unser Ohr gelangt, dann müssen wir reagieren.

geralt / Pixabay

Steigerung

 

Die ultimative Steigerung ist dann, den eigenen Vorgesetzten bei anderen schleichend und oftmals subtil schlecht zu machen. Also zu boykottieren.

Ich begleitete als Coach eine junge Vorgesetzte, die in ihrer neuen Führungsfunktion von zwei langgedienten, sehr erfahrenen Sekretärinnen so subtil und doch geplant gemobbt wurde, dass selbst die Personalabteilung hier nichts mehr dagegen unternehmen konnte.

Denn, wie so oft, wurde dies zu spät entdeckt resp. offengelegt. Vorgesetze verschweigen dies oft aus Scham…genauso wie Mitarbeitende.

Um gegen bossing oder auch staffing wirksam vorgehen zu können, ist der Zeitpunkt genauso wichtig, wie die Zusammenhänge, die man verstehen muss.

Wenn eine Personalabteilung zu spät informiert wird und dazu die Situation nicht richtig einschätzt, tritt eine Verschlechterung ein. Die Situation kann eskalieren. Und dann ist keine Win-Win-Situation mehr herzustellen.

Gerade in KMUs haben die Personaler keine Möglichkeiten Versetzungen vorzunehmen. Was heisst das fürs Opfer des Mobbings? Hier gilt der 3.Teil des Spruchs: love it, leave it or change it.

Das Opfer reicht die Kündigung ein.


Du fragst Dich nun, was kann ich als Personalerin in einem Mobbingfall (egal mit welcher Ausprägung) tun?

Wie reagiere ich richtig?

 

Ich habe dafür eine Checkliste erarbeitet, die recht umfangreich ist. Ich möchte Dir in diesem Podcast den ersten Teil der Checkliste mitgeben.

Bitte beachte, dass die arbeitsrechtlichen Aspekte hier nicht inkludiert sind.

Alexas_Fotos / Pixabay

Wehret den Anfängen!

1.)

Das Unternehmen muss eine klare schriftliche Stellungnahme gegen die verschiedenen Arten des Mobbings abgeben.

Dies muss unbedingt schriftlich passieren.

2.)

Dazu ist die mündliche Variante in einer Personalinfo sehr hilfreich.

Am besten durch die Firmenleitung.

Die Wichtigkeit des Themas muss klar sichtbar sein.

(Du weisst schon: man kann nicht nicht kommunizieren….wenn ein solches heisses Thema von der GL an das HR abgeschoben wird, wird dies entsprechend aufgenommen).

3.)

Passe das bestehende Personalreglement an.

Lass die Formulierungen von einem Arbeitsrechtler prüfen.

4.)

Sensibilisiere die Vorgesetzten und Mitarbeitende auf das Thema.

Schule und informiere über Mobbing. Gerade neue Vorgesetzte.

5.)

Gestalte ein Informationsblatt zu dem Thema und zu dem Vorgehen.

6.)

Kontaktiere eine externe Person, die als neutraler Berater zur Seite steht, wenn ein Mitarbeiter das Gefühl hat, er wird gemobbt.

Der Mitarbeiter muss die Möglichkeit haben sich dieser Person anzuvertrauen. Dies kann ein Mediator, ein Coach, ein Anwalt sein.

 

Und natürlich zahlt das Unternehmen die Rechnung.

 

HR ist mehr wie eine Dienstleistung, gell?

 

Gute Grüsse, Diana

 

 

Gerne kannst du den zweiten Teil der Checkliste direkt bei mir beziehen.

Schreibe mir unter kontakt@dianarothcoaching.com und ich sende Dir diese gerne zu.


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